Die Ziegenhaltung ist in Niedersachsen zurzeit noch unlösbar mit der Weiterverarbeitung der Produkte im Erzeugerbetrieb und ihrer Direktvermarktung verknüpft. Neben der Produktionstechnik für die Milcherzeugung müssen somit auch die Milchverarbeitung und die Vermarktung stimmen.

Die folgende Wirtschaftlichkeitsberechnung gibt einen Überblick über die zu erwartenden Aufwendungen und Erlöse. Für die Modellrechnung wurden  folgende Voraussetzungen unterstellt:

Ein Stall-Neubau ist in der Ziegenhaltung eher die AusnahmeDie erzielten Leistungen und Erlöse gelten für einen gut laufenden Betrieb. Gerade für die ersten Jahre der Betriebszweiggründung sollten geringere Leistungen (max. 500 kg Jahresmilchleistung/Ziege) zugrunde gelegt werden, da es sich in der Regel um einen noch nicht durchselektierten Bestand mit einem entsprechend niedrigen Leistungsniveau handelt. Gleiches gilt für die Erlösseite. Zum einen wird die verkaufsfähige Käseausbeute geringer als angestrebt sein, da die Herstellung eines vermarktungsfähigen Produktes mit gleichbleibender Qualität oft nicht auf Anhieb gelingt. Zum anderen muss die Vermarktung erst noch aufgebaut werden, so dass zu Beginn evtl. noch nicht alle erzeugten Produkte auch tatsächlich abgesetzt werden können. Die Erfahrung zeigt, dass eine allmähliche Erweiterung der Produktion im Rahmen des gesicherten Absatzes günstiger ist, als ein plötzlicher Einstieg mit einer größeren Tierzahl und unsicheren Absatzchancen.

Hoher Arbeitszeitbedarf

Rund 60 % der benötigten Arbeitszeit pro Ziege entfallen auf die Milchverarbeitung und Direktvermarktung. Aus diesem Grund können Bestände ab ca. 40 Ziegen in der Regel nicht mehr mit nur einer Arbeitskraft geführt werden. In den üblicherweise anzutreffenden Familienbetrieben hat sich meist ein Familienmitglied auf die Milcherzeugung und Außenwirtschaft spezialisiert, während ein anderes die Milchverarbeitung und Vermarktung übernimmt. Zu Zeiten besonderer Arbeitsspitzen (Ablammzeit im Winter, Sondermärkte im Herbst) werden darüber hinaus oft Aushilfskräfte angestellt.

Ein Käsepreis von 18-20 EUR/kg ist natürlich nur bei einer optimalen Produktqualität zusammen mit einer optimalen Vermarktung zu erreichen. Einige Beispiele aus Niedersachsen zeigen jedoch, dass solche Preise durchaus zu erzielen sind. Ausschlaggebend hierfür ist sicherlich das Vermarktungsgeschick des einzelnen Landwirts. Wer in die Ziegenhaltung einsteigen möchte, muss sich im Klaren darüber sein, dass sein Erfolg im großen Maße von seiner Eignung als Direktvermarkter abhängig ist. Deshalb sollte sich derjenige, der sich scheut auf Kunden zuzugehen oder seine Erzeugnisse werbewirksam anzupreisen, für die Vermarktung einen kompetenten Partner suchen. Das Produkt kann noch so gut sein, es muss auch an den Mann/die Frau gebracht werden.

Kann die Milch an eine Hofkäserei oder gar Molkerei verkauft werden, so ist mit einem zu erzielenden Milchpreis von 0,50 bis 0,55 EUR zu rechnen. Die variablen Kosten für die Verkäsung und Vermarktung sowie die Festkosten für die Molkereieinrichtung würden entfallen. Die notwendigen Akh/Milchziege würden sich auf 20-25 reduzieren. Vereinzelt sind Kooperationen gegründet worden, bei denen ein Betrieb eine Hofkäserei mit einer so hohen Kapazität einrichtet, die er selbst nicht auslasten kann und deshalb Milch von umliegenden Betrieben zukauft.

Es wird deutlich, dass es auch mit der Kuh des kleinen Mannes schwierig ist, an´s große Geld zu kommen. Wie bei allen landwirtschaftlichen Betriebszweigen ist es auch in der Milchziegenhaltung so, dass überdurchschnittliche Leistungen erzielt werden müssen, um eine akzeptable Entlohnung der eingesetzten Arbeitszeit zu erreichen. Insbesondere sollte bei der Vermarktung nicht versucht werden, sowohl vom Preis als auch vom Image her mit den herkömmlich erzeugten Molkereiprodukten zu konkurrieren. Ziegenprodukte sind arbeitsaufwendig erstellte Delikatessen von höchster Qualität, die entsprechend hochpreisig vermarktet werden müssen und auch können.

Dirk Wahl, Landwirtschaftskammer Hannover

 

Deckungsbeitragsrechnung Milchziegen mit Hofkäserei und Käse-Direktvermarktung
Angaben in EUR/Tier für eine Herde von 50 – 100 Milchziegen)

Leistung

 

 

 

 

 

bei ... EURO/kg Schnittkäse

10

12,5

15

17,5

20

700 kg Milchleistung = 70 kg Schnittk. x ... EURO/kg

700

875

1050

1225

1400

1,7 Mastlämmer x 10 kg SG x 6 EURO/kg SG

102

102

102

102

102

Altziege, 5 Jahre Nutzungsdauer, 15 EURO

3

3

3

3

3

Marktleistung

805

980

1155

1330

1505

Kosten

 

 

 

 

 

Bestandsergänzung 0,2 x 200 EURO/Zuchttier

40

40

40

40

40

Kraftfutter Ziege 1 kg/Tag x 300 Tage x 20 EUR/dt

60

60

60

60

60

Mineralfutter 0,02 kg/Tag x 365 Tage x 50 EUR/dt

3,5

3,5

3,5

3,5

3,5

MAT + Lämmeraufzuchtfut. (18 kg MAT x 115 EUR

 

 

 

 

 

/dt + 16 kg Lämmer-KF x 20 EUR/dt) x 1,7

40,5

40,5

40,5

40,5

40,5

Bock (1 Bock/50 Ziegen)

7,5

7,5

7,5

7,5

7,5

Medikamente + Tierarzt

12,5

12,5

12,5

12,5

12,5

Verkäsung + Vermarktung 70 kg x 1,25 EURO/kg

87,5

87,5

87,5

87,5

87,5

Schlachtung + Vermarkt. Lamm; 30 EURO x 1,7

51

51

51

51

51

MLP, Beiträge, Schauen

45

45

45

45

45

Wasser, Strom, Geräte

10

10

10

10

10

Zinsanspruch

8

8

8

8

8

Summe variable Kosten

365,5

365,5

365,5

365,5

365,5

DB ohne Grundfutter

439,5

614,5

789,5

964,5

1139,5

Grundfutterkosten ( 2625 MJ NEL/Ziege)

80

80

80

80

80

Deckungsbeitrag

359,5

534,5

709,5

884,5

1059,5

Festkosten

 

 

 

 

 

Stallumbau für 50 Tiere = 25.000 EUR, Abschr. 20 Jahre

25

25

25

25

25

Melktechnik = 10.000 EUR, Abschreibung 10 Jahre

20

20

20

20

20

Käserei = 15.000 EUR, Abschreibung 10 Jahre

30

30

30

30

30

Zinsanspruch

21

21

21

21

21

Summe Festkosten

96

96

96

96

96

Roheinkommen

263,5

438,5

613,5

788,5

963,5

Arbeitszeitbedarf (Akh)

55

55

55

55

55

Entlohnung der Arbeitszeit (EURO /Akh)

4,8

8,0

11,2

14,3

17,5