Die Ziegenhaltung erfolgt in Deutschland überwiegend in Laufställen und mit Weidegang. Während der Wintermonate und in Perioden nasskalter Witterung werden die Tiere jedoch häufig längere Zeit im Stall gehalten. Im Folgenden werden für diese Fälle, sowie für Betriebe mit ganzjähriger Stallhaltung die Vorteile eines Laufhofes für Ziegen erläutert und Hinweise zu seiner Einrichtung gegeben.

Ein Auslauf sollte in jeder Ziegenhaltung vorgesehen werdenZu einer tiergerechten Ziegenhaltung gehört unabdingbar, dass die Tiere sich zumindest für einen bestimmten Zeitraum am Tag frei bewegen können. Mit einem ausreichend dimensionierten Laufstall wird diese Forderung sicherlich erfüllt. Neben freier Bewegung ermöglicht ein Laufhof allerdings zusätzlich die Wahrnehmung der Witterung und verschiedener Klimareize. Daraus resultiert eine wissenschaftlich nachgewiesene Förderung der Langlebigkeit, der Fruchtbarkeit - auch durch bessere Brunsterkennung, eine Erhöhung der Rauhfutteraufnahme sowie eine Reduzierung von Stoffwechselstörungen.

Diese Vorteile kann ein noch so heller Laufstall nicht bieten, da Lichtplatten oder Fenster - gleich welcher Art - die Klimareize abschwächen und vor allem kein UV-Licht durchlassen. Die UV-Strahlung aber ist wesentlich für die Bildung des Vitamins D3 in der Haut (wichtig für den Ca- und P-Stoffwechsel) und wirkt darüber hinaus antiparasitär. Ein zusätzlicher Nebeneffekt des Laufhofes besteht darin, dass sich die Stallarbeiten, wie z. B. die Reinigung des Lagers, bei Abwesenheit der Tiere wesentlich einfacher gestalten.

Der Platzbedarf je Ziege ist abhängig davon, ob die Tiere behornt oder enthornt sind, ob der Laufhof ganztägig oder nur für eine bestimmte Zeit zugänglich sein soll und ob die gesamte Herde dort zeitweise geschlossen aufgetrieben werden soll. Praxisüblich haben sich folgende Größen bewährt.

Um eine günstige Flächenausnutzung zu erreichen, sollte die Form möglichst quadratisch sein. Dies gewährleistet, dass die Tiere bei Rangauseinandersetzungen genügend Raum zum Ausweichen haben und es zu keinen ernsthaften Verletzungen kommt. Zudem ist die Länge der nötigen Umzäunung bei quadratischem Grundriss am geringsten.

Das Tor zum Laufhof ist, um Rangeleien mit Verletzungsgefahr zu vermeiden, so groß zu wählen, dass es entweder deutlich mehreren Tieren Durchlass gewährt (> 1,0 m) oder aber nur einem (ca. 0,4 m). Im letzteren Fall sind allerdings mindestens zwei derartige Türen einzuplanen, damit rangniederen Tieren der Durchgang zum Laufhof nicht verwehrt werden kann.

Grundgedanke des Laufhofes ist, neben der zusätzlichen Bewegungsmöglichkeit, dass die Tiere sich der Sonnenstrahlung aussetzen können. Dem kommt eine Ausrichtung des Laufhofes in südlicher Richtung entgegen. Da die Einzäunungskosten nicht unerheblich sind, muss evtl. ein Kompromiss gefunden werden zwischen der Ausrichtung des Laufhofes nach Süden und der bestmöglichen Ausnutzung der Stallwände. Zumindest sollte der Laufhof nicht zur Hauptwetterseite ausgerichtet werden. Herrscht auf dem Laufhof ständiger Durchzug durch ungünstige Anordnung der übrigen baulichen Anlagen, so wird eine freiwillige Nutzung unterbleiben.

Richtet sich die Gestaltung der bisher beschriebenen Anforderungen an einen Laufhof nur nach der Tiergerechtigkeit bzw. dem finanziellen Aufwand, so sind - neben der grundsätzlichen Genehmigungspflicht einer solchen baulichen Anlage - bei der Ausführung des Bodens zusätzlich rechtliche Vorschriften zu beachten.

Nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen - z. B. Kot und Harn - bestmögliche Vorsorge zu treffen, um eine Verunreinigung von Gewässern zu verhindern. Der auf einem Laufhof anfallende Kot und Harn darf also weder durch den Boden versickern, noch unkontrolliert von ihm ablaufen.

Sollen die Tiere ständigen Zugang zum Laufhof haben, so ist er planzubefestigen und mit einer Möglichkeit zum Auffangen der Exkremente zu versehen. Dabei können entweder vorhandene Flächen (Mistplatte, Hofraum) genutzt werden, oder es wird eine neue Platte erstellt. Das dafür verwendete Material muss zwei Haupteigenschaften aufweisen, die es auch über längere Zeit bewahren sollte:

  1. Wasserundurchlässigkeit (Vorsorgegedanken des WHG)
  2. Trittsicherheit und Rutschfestigkeit (im Interesse einer gefahrlosen und stressfreien Benutzung)

Ein Sonnenbad stärkt auch bei Ziegen die Immunabwehr.Praxiserfahrungen zeigen, dass Betonböden bereits innerhalb der ersten Jahre nach ihrer Erstellung zu glatt werden. Abhilfe schafft ein Aufrauhen von Zeit zu Zeit. Eine - wenn auch recht teure - Gussasphaltschicht auf einen genügend tragfähigen Untergrund (Beton oder Heißmischtragschicht) aufgebracht, hat sich sehr gut bewährt. Um die positiven Eigenschaften des rutschfesten und dauerhaften Gussasphalts mit denen des preiswerteren Betons zu verbinden, kann die Lauffläche mit Splitbeton belegt werden. Hierbei handelt es sich um eine besondere Mischung, bei der als Zuschlagstoff statt Kies Hartsplitt (Basalt- oder Granitsplitt) in der Körnung 8 bis 15 mm mit 50 % Gewichtsanteil zugegeben wird. Besonders bei der Selbstmischung ist jedoch zu beachten, dass die Wasserundurchlässigkeit des Betons den Behörden gegenüber durch ein entsprechendes Prüfzeugnis nachzuweisen ist.

Darüber hinaus ist für das mit Exkrementen durchsetzte Oberflächenwasser eine Auffang- und Lagermöglichkeit für sechs Monate nachzuweisen. Beispielsweise muss bei einer Laufhofgröße von 20 qm für eine Herde mit 40 unbehornten Tieren bei 650 mm Jahresniederschlag eine Lagerkapazität von 6,5 m3 vorhanden sein. Eine einfache Teilabdeckung der Laufhoffläche durch Verlängerung des Dachüberstandes verringert die anfallende Regenwassermenge.

Laufhöfe mit nicht planbefestigter Oberfläche sind dann praktikabel, wenn sie nur für kurze Zeit pro Tag zugänglich sind, da sie andernfalls zu stark verschmutzen, mit allen negativen Auswirkungen auf die Klauengesundheit und Melkhygiene. Für die Ausführung einer solchen Oberfläche sollte zunächst der Mutterboden abgeschoben werden. Auf die entstandene Fläche wird ein gut verdichteter Kies- oder Weichsplittaufbau (kein Hartsplitt, da der sich durcharbeitet und in die Klauen eindringt) von ca. 30 cm Höhe aufgebracht, der mit einer 15 bis 20 cm dicken Schicht Holz- oder Rindenschnitzel abgedeckt wird. Rindenschnitzel haben eine Haltbarkeit von 1 bis 2 Jahren, Holzschnitzel sind alle 2 bis 4 Jahre zu erneuern. Die Entscheidung für oder gegen eine unbefestigte Lösung ist somit stark abhängig von dem Preis, der für die Schnitzel gezahlt werden muss.

In der Schweiz haben sich unbefestigte Laufhöfe außerhalb von Wasserschutzgebieten seit Jahren bewährt. Die Tiere werden dabei für eine begrenzte Zeit auf den Laufhof getrieben, während der die Stallarbeiten verrichtet werden. Der größte Vorteil des unbefestigten Laufhofes besteht in seiner unübertroffenen Trittsicherheit, die den Ziegen die Einnahme auch extremer Körperhaltungen für die Körperpflege ermöglicht.

Gereinigt werden müssen nur planbefestigte Laufhöfe. Die Häufigkeit der Entmistung ist abhängig von der Nutzungsfrequenz. Ein ständig zugänglicher Laufhof wird in der Regel täglich gesäubert werden müssen. Für die Durchführung der Reinigung bieten sich je nach betrieblichen Gegebenheiten die verschiedensten Lösungen an:

Für die in den niedersächsischen Betrieben durchschnittlichen Herdengrößen wird die Reinigung von Hand sicherlich die wirtschaftlichste Alternative sein. Die Dauer des Abschiebens ist stark abhängig von der Lage der Vorgrube. Im Idealfall reicht die Vorgrube über die gesamte Breite des Laufhofes und ist mit befahrbaren Rohren oder Winkeleisen (Winkel nach oben) abgedeckt. Damit entfällt das lästige Öffnen und Schließen von Toren, die evtl. notwendige Durchfahrt bleibt gesichert und die Grube ersetzt an dieser Stelle gleichzeitig die Umzäunung, da die Abdeckung von den Tieren nicht betreten werden kann.

Der Boden sollte mit einem leichten Gefälle zur Vorgrube hin ausgeführt werden, da eine wirklich ebene Fläche ohnehin nicht zu realisieren ist und so die Bildung von Pfützen - die im Winter gefrieren - wirkungsvoll verhindert wird. Eine leichte Aufkantung der Ränder von 5 bis 8 cm verhindert ein Ablaufen von mit Kot und Harn durchsetztem Regenwasser. Hierzu können gut alte Betonspalten (aus der Rinderhaltung) verwendet werden, die als Rahmen um den künftigen Laufhof gelegt werden und in die dann die Betonplatte hineingegossen wird.

Die Umzäunung darf keine Verletzungsmöglichkeiten durch hervorstehende Bolzen oder Nägel bieten. Als einfach und preiswert zu erstellen hat sich eine Umzäunung aus Rundhölzern und Nagelverbindern erwiesen. Selbstverständlich muss die Umzäunung ausreichend robust sein, um etwaigen Rangeleien standzuhalten. Ein Abrunden der Ecken (keine rechten Winkel) verhindert ein Einkeilen einzelner Ziegen bei Schiebekämpfen der ähnlichem. Ein großzügig dimensionierter Laufhof an einem ruhigen Standort kann auch durchaus mit einem mehrdrähtigem, gut sichtbaren Elektrozaun ausgerüstet werden.

Zum Komfortverhalten der Ziegen zählt die ausgiebige Fellpflege. Eine im Laufhofbereich angebrachte Scheuerbürste kommt diesem Bedürfnis sehr entgegen. Darüber hinaus werden allerdings auch andere hervorstehende, nicht so stabile Gebäudeteile (z. B. das Fallrohr der Regenrinne) gerne für die Körperpflege verwendet. Sie sind entsprechend solide zu verkleiden. Außerdem kann die Attraktivität des Laufhofes durch das Anbringen einer Tränke, Heuraufe oder anderer Fütterungseinrichtungen gesteigert werden.

Gerade beim Neubau von Ställen lässt sich der Laufhof ideal als eigener Funktionsbereich in ein Stallsystem mit einplanen. Durch die Einsparung von umbautem Raum wird damit kostengünstiges Bauen mit hohem Anspruch an die Tiergerechtheit ermöglicht. Der Laufhof kann beispielsweise als Wartebereich vor dem Melkstand dienen oder die Verbindung zwischen Liegebereich und überdachtem Außen-Futtertisch bilden. Minustemperaturen im Winter sind kein Argument, das gegen ein solches Stallkonzept spricht, da Ziegen gut an für unser Empfinden niedrige Temperaturen angepasst sind, solange ihr Aufenthaltsbereich trocken und zugfrei ist. Weitaus problematischer sind in diesem Zusammenhang hohe Temperaturen im Sommer, die u. a. das Wohlbefinden, die Futteraufnahme und damit die Milchleistung negativ beeinflussen. Um die Temperatur nicht zu weit absinken zu lassen (u. a. Einfrieren der Tränken), kann das Stalltor zum Laufhof mit Plastikschürzen verhängt werden, die von den Ziegen problemlos angenommen werden.

Dirk Wahl, Landwirtschaftskammer Hannover